Mammutmolare, die in der Nordsee von Fischern als "Beifang“ geborgen oder in Kiesgruben gefunden werden, sind komplett mit Wasser vollgesogen. Sie werden in der Regel mit einer konservierenden Lackschicht überzogen, um ein Zerbröseln während der natürlichen Trocknung zu verhindern. Manchmal erhalten wir von Kunden solch "nasse" Materialien, was bei der Stabilisierung zu erheblichen Problemen führt, da wir die Restfeuchte nicht einfach wie bei Holz messen können.
Was passiert mit dem Plexiglas und der verbliebenen Feuchtigkeit?
Vorhandenes Wasser im Material belegt genau den Platz, den das Plexiglas einnehmen soll. Die Hohlräume sind also nicht frei. Das Monomer (das ungehärtete Harz) kann nur dort eindringen, wo Platz ist. Ein äußerlich scheinbar trockenes Werkstück kann im Inneren viel Wasser enthalten, sodass das Plexiglas nur bis zur „Wassergrenze“ eindringt. Wasser verschwindet nicht durch Zauberei und es lässt sich auch nicht komprimieren. Als Resultat erhält man ein teilweise mit Plexiglas gefülltes Werkstück, das im Inneren die Feuchtigkeit eingeschlossen hält. In der Grenzschicht zwischen Plexiglas und Wasser entsteht ein mit Wasser vermischter Harzschwamm. Beim abschließenden Tempern des Werkstücks bei ca. 120° C kann zwar ein Teil der Feuchtigkeit verdunsten, ein erheblicher Teil wird aber von der äußeren, dichten Harzschicht eingeschlossen und kann nicht oder nur sehr langsam entweichen. In der Folge ist dieses Werkstück also nur im Randbereich mit Plexiglas gefüllt.
Härtet Plexiglas zusammen mit Wasser überhaupt aus?
Plexiglas wird heute großtechnisch meistens in Form von kleinen Kügelchen für das Spritzgussverfahren oder zum Einschmelzen für die Herstellung von Platten und Blöcken hergestellt. Bei diesem Verfahren wird das Monomer in heißem Wasser verquirlt, bis die Tröpfchen gehärtet sind und als Kügelchen abgetrennt werden können. Die Härtung von Plexiglas wird in keiner Weise von Wasser beeinflusst. Aber noch einmal zum Verständnis: egal ob bei Holz oder einem Fossil, vorhandenes Wasser belegt Platz, den das Harz einnehmen sollte. Je trockener ein Werkstück ist, desto mehr Harz wird es aufnehmen.
Bildbeispiel: Die im Wasser geschliffene Kugel aus Koralle sollte schwarz stabilisiert werden. Oberflächlich war das fossile Material trocken, nach der Stabilisierung und dem Aufsägen wurde deutlich, dass die Koralle im Inneren noch nass war. Man kann sehr gut erkennen, wie das Harz nur im Randbereich eingedungen ist.
Ein Beitrag unseres Technikers